Der Fotograf deckt seine Stunden ab. Der Rest liegt auf 80 Handys
Eine Hochzeit hat drei Kamerapositionen, die keine Reportage abdecken
kann: den Tisch, an dem jemand gerade eine Geschichte erzählt, den
Moment, in dem die Grossmutter zum ersten Mal seit Jahren wieder tanzt,
und die Stunde nach Mitternacht, in der der gebuchte Fotograf längst
eingepackt hat. Diese Bilder existieren — sie liegen nur auf achtzig
verschiedenen Telefonen.
Der übliche Weg dorthin ist eine WhatsApp-Gruppe. Sie funktioniert
genau so lange, bis jemand merkt, dass die Trauzeugin, der Götti und
die Arbeitskolleginnen aus drei verschiedenen Lebensabschnitten
stammen und ihre Telefonnummern nicht miteinander teilen möchten. Und
was dort ankommt, ist komprimiert: aus einem 12-Megapixel-Bild wird
eine Datei, die für einen Abzug nicht mehr reicht.
Migumento dreht das um. Ihr legt ein Album an, druckt den QR-Code auf
die Tischkarten, und jeder Gast lädt hoch, was er ohnehin schon
aufgenommen hat — in der Auflösung, in der die Kamera es gespeichert
hat. Kein Konto, kein Passwort, keine App. Wer den Link hat, ist drin;
wer ihn nicht hat, sieht nichts.